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Kastavian Geschichten aus der Vergangenheit

1. WIE DIE EINWOHNER VON KASTAV DEN BERÜCHTIGTEN „KAPITÄN“ MORELLI IM WASSERLOCH ERTRÄNKTEN

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde der Ort Kastav auf Geheiß seines Besitzers von „Kapitän“ Franjo (Fran) Morelli verwaltet. Die Stadt hatte schon damals ein Statut aus dem Jahr 1400 und ein Gewohnheitsrecht, doch „Kapitän“ Morelli zwang den Bürgern seine eigene Auffassung von Recht ohne Gerechtigkeit auf. Als die Einwohner genug von seiner Eigennützigkeit hatten, brachen sie in seine Residenz ein. Als sie ihn die Treppe hinunter zogen (die heute noch immer dort steht), rief er: „Hilfe lieber Gott, Mutter Gottes und die Heilige Dreifaltigkeit!“. Das Volk erwiderte darauf: „Wir brauchen keine Hilfe, wir schaffen dich auch allein!“
Die Menschen schleppten ihn aus dem Gebäude heraus und ertränkten ihm in einem Wasserloch auf dem Platz vor seiner Residenz.
Um die Verantwortlichen für diese Auflehnung zu finden, waren sogar aus Triest und Wien Ermittler angereist. Doch die Einwohner von Kastav antworteten auf alle Fragen gleich: „Wir waren es alle zusammen! Mein Bruder, der Bruder meines Bruders, der Richter Kinkela und alle anderen! Und die alte Maria hat ihn noch mit dem Spinnrocken in den Hintern gestochen!“ So konnte niemand verurteilt werden.
Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde dieser Text und das Jahr 1666 in die Brunneneinfassung auf dem zentralen Stadtplatz Lokvina eingemeißelt.
 
2. WIE WURDE DIE CREKVINA-KIRCHE GEBAUT
Im 17. Jahrhundert beschlossen die Jesuiten, auf der Ostseite der Stadt eine grandiose Kirche zu erbauen, um sie der Hl. Maria zu widmen. Alle Bewohner der Stadt mussten ohne Entlohnung bei der Errichtung helfen, sogar eine arme Witwe, die drei kleine Kinder hatte. Als die Zeit gekommen war, aus der Preluk-Bucht (bei Opatija) den Meeressand auf dem Rücken zur Baustelle zu befördern, fragte die Witwe den Jesuiten, der die Arbeiten beaufsichtigte, ob sie von dieser Verpflichtung befreit werden könne, um in einer Familie als Dienstmagd zu arbeiten und ein Stück Brot für ihre hungrigen Kinder zu verdienen. Anstatt ihr dies zu erlauben, zwang der Jesuit sie zur Arbeit und schlug sie dreimal mit der Peitsche. Die erniedrigte, beleidigte Frau verfluchte den Bau mit den Worten:„Gott, lass sie die Kirche nie fertig bauen!“
Der Legende zufolge versuchten die Jesuiten dreimal die Kirche fertig zu bauen, doch der Bau stürzte immer wieder ein. Bis heute weiß man nicht, warum dies geschah und ob die Kirche je fertig gebaut wurde.
Die Ruinen der Kirche – heute unter dem Namen Crekvina bekannt – stehen heute noch in Kastav als kulturhistorisches Denkmal.
 
3. LEGENDE ÜBER DEN URSPRUNG DER GLOCKENTRÄGER "ZVONČARI"
 
Als die Tataren und später auch die Türken der Überlieferung zufolge während ihrer Übergriffe zum Feld Grobničko Polje gelangten, hatte die lokale Bevölkerung, die überwiegend Hirten waren, keine Waffen, um ihr Eigentum zu verteidigen. Um die Angreifer abzuschrecken und zu vertreiben, hängten sich die Menschen von Grobnik Schafsfelle um, gurteten Glocken um die Taille, setzten schreckliche Masken auf und nahmen eine Axt in die eine Hand (welche die Zvončari heute noch immer nach dem türkischen Wort Balta nennen) und Säcke mit Asche in die andere Hand. Dann fingen sie an zu hüpfen, die Glocken zu läuten und Lärm zu machen. Als die feindlichen Soldaten diese „Ungetüme“ sahen, flüchteten Sie Hals über Kopf.
Aus dieser Zeit stammt auch die Frage, die man heute vor Beginn des Karnevals hört: „Wann kommt der Tag, an dem der Kaurin verrückt geworden ist?“
Eine zweite und eher plausiblere Erklärung über den Ursprung der Glockenträger hat mit vorchristlichen Bräuchen und der Vertreibung der bösen Wintergeister und der Herbeirufung des neuen Lebens zu tun, die auch in anderen Kulturen vorzufinden sind. Die Zvončari wandern heute noch zur Karnevalszeit vom Dorf zu Dorf und tragen tierähnliche Masken, Glocken um die Taille und in den Händen halten sie hölzerne Säbel oder Äxte (Balta). Das Bestreuen von Mädchen und Frauen mit Asche zur Förderung der Fruchtbarkeit wird heute nicht mehr praktiziert.
 
4. ALS IN KASTAV EINE KUH AUF DEN GLOCKENTURM GEZOGEN WURDE
 
Der Legende zufolge war der Glockenturm von Kastav einst mit Efeu überwuchert. Die Bevölkerung diskutierte lange darüber, wie man sich von diesem Efeu befreien könne, ohne die Außenwände des Glockenturms besteigen zu müssen. Nach langer Überlegung und Beratung wurde vorgeschlagen, eine Kuh an einem Strick festzubinden und auf den Glockenturm zu ziehen, damit sie das Efeu abfrisst. Und so geschah es dann auch.
Kurz darauf versammelten sich die Bewohner von Kastav vor dem Glockenturm und versuchten mit allen Kräften die Kuh mit dem Strick auf den Turm zu ziehen. Das arme Tier erstickte und streckte die Zunge heraus, aber die Menschen, die sie von unten beobachteten, riefen erfreut: „Ihr geht es gut! Sogar die Zunge hat sie vor lauter Freude herausgestreckt!“
Dies ist höchstwahrscheinlich eine Legende und kein wahres Ereignis, weil die Geschichte über die Kuh und den Glockenturm in ähnlichen Varianten auch in anderen Ortschaften dieser Region bekannt ist. Nachdem diese Geschichte aber seit jeher in Kastav erzählt wird, gilt sie als immaterielles Kulturerbe dieser Gegend.
 
5. SARDINEN
Im Mittelalter reichte die Herrschaft von Kastav bis zum Meer. Das kleine Fischerdorf Volosko – heute Teil von Opatija – fiel unter die Jurisdiktion von Kastav. Die Vorschriften sahen damals vor, dass die lokalen Fischer ihren Fang zunächst in Kastav verkaufen mussten und erst dann in Volosko. Die Bewohner von Kastav regten sich sehr darüber auf, dass die Fischer von Volosko den besten Fisch für sich selbst behielten und sie beschlossen, im nächsten Herbst selbst Sardinen zu pflanzen.
Zu Frühlingsanfang gingen die Menschen von Kastav auf ihre Äcker, um nach den neuen Sprösslingen zu schauen. Nach langer Beratung kamen sie zum Schluss, dass sie die Sardinen in falscher Richtung, nämlich mit dem Kopf nach unten gepflanzt hatten. Als sie die Sardinen mit den Köpfen nach oben in den Boden eingesetzt hatten, gab es jedoch ebenfalls keinen Ertrag.
Sie kamen zu dem Schluss, dass derjenige, der die Sardinen in den Boden einsetzte, sicherlich gleich die gesamte Aussaat durch das Betreten mit den Füßen zerstörte, und schon hatten sie die richtige Lösung parat: Derjenige, der die Sardinen pflanzte, sollte von vier anderen auf einer Trage transportiert werden, um die Saat zu schützen.
Auch im nächsten Frühling spross natürlich nichts aus dem Boden. Ein trauriger, enttäuschter Bewohner von Kastav scharrte auf dem Acker herum, zog eine bereits faule Sardine voller Würmer aus der Erde und rief triumphierend den anderen zu: „Schaut, schon sprießen die ersten Keime aus dem Boden!“
 
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