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Museumsammlung der Region Kastav

Die Museumsammlung der Region Kastav ist ein Sonderbereich des Seefahrts- und Geschichtsmuseums des Kroatischen Küstenlandes Rijeka. Die im Jahre 1981 erstmals eröffnete und 2005 aktualisierte Ausstellung befindet sich oberhalb des Stadttors. Die ursprüngliche Idee war, eine Sammlung zu Gedenken an den namhaften Schriftsteller Vladimir Nazor auszustellen, der zehn Jahre lang (von 1908-1918) in der Lehrerschule von Kastav arbeitete und dessen Werke zum kulturhistorischen Erbe dieser Gegend gehören. Mit der Zeit ist aus dieser Idee ein Komplex regionaler Sammlungen in Kastav geworden. Dank der Bemühungen der Angestellten des Seefahrts- und Geschichtsmuseums und der Bewohner der Kastaver Gegend wurden 1.500 Gegenstände zusammengetragen: archäologische, ethnographische und kulturhistorische Objekte sowie Gegenstände, die von der Freiheitsbewegung dieser Gegend aus dem Zweiten Weltkrieg stammen. Die im Jahre 2005 überarbeitete Sammlung umfasst etwa sieben hundert Exponate, die die Geschichte von Kastav und der Umgebung in einer Zeitspanne vom späten Paläolithikum und Mesolithikum bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts präsentieren. Dabei stehen Tradition und Volksbräuche sowie der freiheitliche Geist der Stadt und seiner Bewohner stets im Mittelpunkt.

Die archäologische Sammlung präsentiert das Leben und die Kultur der ehemaligen Bewohner von Kastav und der umliegender Region. Ausgestellt werden Feuerstein-Werkzeuge aus zahlreichen Höhlen im Hinterland von Kastav, wichtige Artefakte aus der Kupferzeit (ein Schwert aus dem 10. Jahrhundert v. Chr., das auf dem heutigen Lokvina-Platz gefunden wurde) sowie Kleidung und Schmuck aus der Nekropole im Mišnica-Tal (4. – 2. Jahrhundert v. Chr.). Die Vielfalt in Bezug auf Stil und Morphologie deutet darauf hin, dass Kastav zu der Zeit ein wichtiges Verkehrs- und Handelszentrum auf dem Weg in das Voralpengebiet und nach Etrurien bis zum Baltischen Meer war. Das lokale kulturhistorische Erbe und die hiesige Architektur spiegeln die ereignisreiche, bewegte Geschichte dieser Region wider. Wertvolle Denkmäler (Feudalschloss – Residenz der Kapitäne von Kastav, die Stadtloggia, die Pfarrkirche der St. Helena, die Ruinen der großen Crekvina-Kirche usw.) werden durch einen Dialog zwischen alten Photographien (Anfang des 20. Jahrhunderts) und ihren zeitgenössischen Pendants (Anfang des 21. Jahrhunderts) präsentiert. Auf diese Weise werden die Kontinuität des Lebens und die Notwendigkeit der Erhaltung dieses Erbes zum Ausdruck gebracht.

Die ethnographische Sammlung präsentiert das Leben in einem traditionellen Haus Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Präsentiert werden dekorative Gebrauchsgegenstände, diverse Kleidungsstücke sowie Schneider- und Schuhmacher-Artikel. Hausgemachte und sonstige handwerkliche Produkte wurden in der Vergangenheit auf dem Jahrmarkt Bela Nedeja (Weißer Sonntag) verkauft. Dabei handelt es sich um ein Fest zu Ehren des Jungweins, das jedes Jahr am ersten Sonntag im Oktober in Kastav stattfindet. Zu den berühmten Traditionshandwerken von Kastav gehörten Böttcherei, Eisenschmiede, Kesselmacherei, Tischlerei, Steinmetze und Korbmacher. Seitdem sich Mitte des 20. Jahrhunderts die wirtschaftliche Situation wesentlich geändert hat, haben die überlieferten Handwerkskünste an ihrer Wichtigkeit verloren. Heute dienen sie nur noch als Hobby- und Freizeitbeschäftigung und zur Brauchtumspflege, damit sie nicht gänzlich in Vergessenheit geraten.

Die größte Sammlung ist der Kultur und Geschichte gewidmet. In diesem Bereich finden sich Exponate, die die historischen Ereignisse, die Kultur- und Bildungsaktivitäten, die Modernisierung und den Aufschwung der Bürgergesellschaft in der zweiten Hälfte des 19. und am Anfang des 20. Jahrhunderts beschreiben. Die größten Verfechter für die Rechte der kroatischen Bevölkerung im österreichischen Kronland Istrien und Kvarner-Inseln waren die Reformakteure Matko Laginja, Matko Mandić und Vjekoslav Spinčić, die allesamt aus der Region Kastav stammten. Sie werden heute oft als das istrische Dreiblatt bezeichnet. Wichtige Materialien, Dokumente und Fotografien, Wappen und Flaggen der Kultur- und Bildungsverbände geben über das rege gesellschaftliche Leben in Kastav Auskunft. Zu dieser Zeit war Kastav das Verwaltungs-, Gewerbe- und Kulturzentrum dieser Mikroregion. In Kastav und Umgebung waren Anfang des 20. Jahrhunderts zahlreiche Verbände tätig: Istarska Vila (Istrische Fee), ein Zweigverband des Hrvatski Sokol (Kroatischer Falke), St. Michael, Patriot… Neben der öffentlichen Schule für Jungen und Mädchen waren in Kastav auch die Handwerksfachschule und die Lehrerschule ansässig. Letztere war für die Ausbildung der kroatischen Erzieher in Istrien besonders wichtig. Informationen über die Tätigkeiten des ersten kroatischen Lesesaals in Istrien (gegründet in 1866) und zahlreicher Musik-, Theater- und Arbeitervereine geben über das rege gesellschaftliche Leben dieser Zeit Auskunft. Einen besonderen Platz nehmen außerdem die Werke der kroatischen Schriftsteller im lokalen čakavischen Dialekt, die Bildungsarbeit und die Werke der Schüler ein.

Die Sammlung Teil der Nationalen Freiheitsbewegung im Zweiten Weltkrieg gewidmet und ist thematisch und räumlich von den übrigen Museumsammlungen getrennt. Hier werden die Ausbreitung der Arbeiterbewegung, ihre Aktionen und Leistungen sowie das Leiden der Menschen im Zweiten Weltkrieg (1941-1945) bis zur Befreiung von Kastav am 3. Mai 1945 präsentiert.

Kustodin: Tamara Mataija

Kontakt: +385 (0)51 213 578
E-Mail: tamara@ppmhp.hr

Arbeitszeit:
nach vorheriger Absprache

 

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